Dienstag, den 07. September 2010 um 17:55 Uhr
Szeli
Die Rundreise sollte eine Verbindung zwischen Kulturreise und Wüstenerlebnis werden. Dies zumindest laut der Reisebeschreibung, die uns vorgelegt wurde. Es standen ebenso wichtige historische Stätte wie Karthago, Dougga, Bulla Regia und die heilige Stadt Kariouan, wie auch einfache Wandertouren am Wüstenrand auf dem Plan.
Unsere einstigen Vorurteile über die angeblich eintönige Landschaft und Kultur wurden durch die Vielfältigkeit und das immense kulturelle Reichtum Tunesiens schnell entkräftet. Unsere erste Reise, nach der Ankunft am Flughafen Monastir, führte in die Altstadt, die Medina von Suosse, wo uns die bereits allseits bekannten Gerüche nach Weihrauch und Gewürzen, die arabischen Klänge und der im Lautsprecher übertragener Muezzin, der zum Gebet aufforderte, empfangen. Die zauberhafte Atmosphäre schien aus den Geschichten der 1001 Nacht zu entstammen.
Die erste Station der Rundreise führte uns in den Norden, zur Landeshauptstadt Tunis. Auf dem Weg dorthin besuchten wir die Wassertempel von Zaghouan, die Direkt am Fusse des imposanten Gebirgszuges des Djebel Zaghouan liegen. Die Tempel sollten über die Wasserbecken wachen, die im 2. Jahrhundert nach Christi für die Versorgung von Karthago erbaut und bis Mitte des 20. Jahrhunderts wichtigster Wasserlieferant der Hauptstadt Tunis waren.
Karthago Tunesien
Am nächsten Tag besuchten wir die Landeshauptstadt Tunis mit ihrem bekannten Vorort Karthago. Zunächst standen die Altstadt, Medina mit den Souks und das Bardomuseum auf dem Plan. Im Bardomuseum findet man die größte Mosaikensammlung Tunesiens, wo auch die Mosaiken von den großen Ausgrabungsstätten Karthago und Dougga hier neu aufgebaut wurden. Vom Karthago, das jedem ein Begriff sein sollte, ist heute nicht mehr allzu viel zu sehen. Doch ist schon alleine die Gewissheit beeindruckend, dass hier, im heutigen Nobelvorort, einst der größte und wichtigste Hafen frührömischer Zeit stand. Der Tag endete in Sidi Bou Said, einem Ort an der Bucht von Tunis. Bekannt wurde der malerische Vorort durch Bilder von Macke und Klee, die bei ihrer Tunesienreise hier Station machten.
Ichkeul Tunesien
Neben den bekannten Weltkulturerben, wie das Amphitheater von El Djem, die Ruinen von Karthago und Dougga und die Altstädte von Kairouan, Sousse und Tunis, gibt es in Tunesien auch ein Naturerbe, der Ichkeul See, der das Ziel des kommenden Tages war.
Das Naturschutzgebiet Ichkeul gelegene See, bevölkert von den letzten Wasserbüffeln Tunesiens und unzähligen Zugvögeln, hat eine einzigartige Besonderheit. Je nach Grundwasserspiegel füllt sich der See mit Salzwasser durch eine Verbindung zum Meer hin oder (nach starken Regenfällen) mit Süßwasser.
Dougga
Die nächsten Tage boten uns Gelegenheit, die üppige Geschichte Tunesiens weiter zu erforschen. Unsere Reise führte uns zum größten Ruinenfeld Nordafrikas nach Dougga. Einst Thugga genannt liegt das Ruinengelände inmitten von Olivenhainen und wildem Macchia.
Ursprünglich wurde die Siedlung von Numiden bewohnt und diente ab dem 2. Jh. v. Chr. als Heimat für punische Flüchtlinge aus dem zerstörten Karthago.
Bei der Weiterfahrt Richtung Norden wandelt sich die Landschaft und erinnert mehr an den gewohnten Schwarzwald als an Tunesien. In Chemtou befanden sich die größten Marmorbrüche des römischen Reiches, die zufällig beim Bau eines numidischen Höhenheiligtums entdeckt wurden. Interessant ist vor allem das neue Museum, das den Arbeitsalltag im Lager zeigt.
In Bulla Regia besuchten wir die außergewöhnlichen unterirdischen Villen und fuhren dann über die heilige Stadt Kairouan Richtung Süden. Laut der Legende wurde Kairouan im Jahre 671 gegründet, nachdem der in Mekka verlorene goldene Löffel des Propheten in einer Quelle in Kairouan wieder auftauchte.
Auf dem Weg in den Süden besuchten wir Sbeitla. Die guterhaltenen römischen Ruinen des antiken Sufetula mit zahllosen frühchristlichen Funden und die alte numidische Ansiedlung Marktaris waren die letzten Stationen der römischen und punischen Geschichte. Über den grössten Salzsee der Sahara, den Chott El Djerid, kamen wir nach Douz, ein idyllisches Städtchen am Rande der Sahara. Von hier aus fuhren wir, entlang der Sahara, in das karge Gebiet des nördlichen Daharberglandes ins Höhlendorf Matmata. Hier konnte man in die Erde gegrabene Wohnungen, die ihre Bewohner von der Hitze und Kälte schützen, besichtigen. Der letzte Teil des Weges führte über eine atemberaubende Landschaft zur Insel Djerba, wo der Flieger Richtung Heimat auf uns bereits wartete.