Der renommierte deutsch-jüdische Philosoph, Literaturkritiker und Übersetzer Walter Benjamin nahm sich am 27. September 1940 auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in der kleinen nordkatalanischen Stadt Port Bou das Leben, nachdem er vergeblich versucht hatte die französische Grenze zu überqueren, um sich über Portugal nach Amerika einzuschiffen. In Erinnerung an Walter Benjamín (Berlin 1892-Portbou 1940) und die europäischen Exilierten der Jahre 1933 bis 1945 hat der Künstler Dani Karavan anlässlich des 50. Todesjahres des Schriftstellers 1990 in der spanischen Grenzstadt Portbou den Gedenkort „Passagen“ gestaltet. Mit abstrakten Formen und in enger Auseinandersetzung mit der rauen Natur der Katalanischen Pyrenäen hat der Künstler der Landschaft ein Zeichen eingeschrieben, das zugleich eine Annäherung an die existentielle Bedrohung der Emigranten im 20 Jahrhundert erlaubt, als auch im Sinne von Toleranz und grenzüberschreitender Verständigung einen Apell an die Zukunft darstellt. Eine Art Tunnel aus verrostendem Eisen, eine Art Passage im Sinne Benjamins, führt vom Friedhof über die Felsen hin zum Meer. Auf der letzten Stufe schützt eine Glaswand vor dem Abgrund, auf der ein Zitat von Walter Benjamin eingraviert steht: „Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.“ Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht. Historisch interessierte Gäste, die Urlaub in Katalonien machen, sollten einen Besuch von Port Bou nicht versäumen. Außerdem gibt es in Port Bou aktuell zwei Wege, die an Benjamin erinnern und durch Hinweisschilder ausgewiesen werden.





